Marshall Rosenberg (1934 - 2015)

Begründer der Gewaltfreien Kommunikation

Das Lebenswerk von Marshall Rosenberg beeindruckt mich. Seine beharrliche Suche nach einem einfachen Weg, der Menschen befähigt konstruktiv und gewaltfrei für die Erfüllung ihrer Bedürfnisse einzutreten und ein Leben zu leben, das auf gegenseitigem Vertrauen und Kooperation beruht, hat uns Ende der 60-er Jahre die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation geschenkt.

Ausgelöst wurde seine Suche durch den Widerspruch zwischen den teilweise heftigen Gewalterfahrungen, die er selbst in seiner Kindheit und Jugend gemacht hat, und dem gleichzeitigen Erleben von Menschen, die auch unter schwierigen Bedingungen anderen offen und mitfühlend begegnet sind. Marshall Rosenberg begann sich zu fragen: Was lässt und gewalttätig werden? Und wie schaffen es manche Menschen auch unter schlimmsten Umständen mitfühlend zu bleiben?

Zunächst suchte er Antworten in einem Psychologie-Studium. Doch es war nicht die Wissenschaft, die ihn schließlich zur Entwicklung seines Kommunikationsprozesses inspiriert hat, sondern Menschen, die zu großem Mitgefühl fähig waren, wie z.B. sein Onkel Julius oder einer seiner wichtigsten Lehrer, Carl Rogers, der Begründer der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie.

Nach der Entwicklung des Modells der Gewaltfreien Kommunikation hat Marshall Rosenberg sich unermüdlich für die Verbreitung dieses Prozesses eingesetzt. Zudem hat er mit der Gewaltfreien Kommunikation als Konfliktmediator zur Lösung und Klärung vieler kleiner und großer, sowie nationaler und internationaler Konflikte beigetragen.

Bei all seinem Erfolg hat Marshall Rosenberg nicht vergessen, seine eigenen Überzeugungen und die GfK auch immer wieder zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Impulse dazu bekam er vor allem von Frauen. So umfasste die Gewaltfreie Kommunikation, die ursprünglich überwiegend bei Konflikten zwischen rivalisierenden Gruppen zum Einsatz kam, mit der Zeit immer größere Bereiche wie z.B. die Gleichstellung von Mann und Frau, die Gleichzeitigkeit von Verbundenheit und Eigenständigkeit in Paarbeziehungen, den Blick auf die Freude im Leben und nicht nur auf die Konflikte, und schließlich auch die spirituelle Dimension.

Eine ausführlichere und gut recherchierte Biographie über Marshall Rosenberg gibt es von Al Weckert: Marshall Rosenberg - Bausteine einer Biographie

Ulla Kruse
Artikel von November 2016

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