Die Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation

Eine Sprache, die dem Leben dient.

Worum geht es bei der GfK?

Der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, Marshall Rosenberg, hat sich schon in jungen Jahren gefragt: "Wie kommt es, dass Menschen körperliche und verbale Gewalt gegen sich selbst und andere anwenden? Und wieso schaffen es andere auch unter schwierigsten Bedingungen mitfühlend, offen und zugewandt zu bleiben? Welche Wege gibt es jenseits von Gewalt und Selbstverleugnung?" Seine Antwort sind die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation.

Dabei bedeutet gewaltfrei zu kommunizieren nicht nur auf körperliche Gewalt und offensichtliche Formen von verbaler Gewalt zu verzichten, wie z.B. jemandem zu drohen oder ihn zu beschimpfen. Auch Anschuldigungen, Urteile, Interpretationen, Bewertungen, Analysen, Manipulationen, Ratschläge, Lob usw. sind subtile Formen von Gewalt und blockieren unbemerkt wirkliche Begegnung.

Was können wir stattdessen tun?

Wir können wieder Kontakt aufnehmen zu unserem wirklichen Erleben. Zu dem, was in jedem Augenblick in uns lebendig ist. Was wir wahrnehmen, was wir fühlen, was wir brauchen und was wir zu tun beabsichtigen. Die 4 Schritte leiten uns dabei. Wir verbinden uns wieder mit unseren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen und der Wahrheit unseres Herzens. Aus dieser Verbundenheit heraus können wir uns im Kontakt mit anderen offen und aufrichtig mitzuteilen. Damit legen wir den Grundstein für eine neue Art der Verständigung.

Die Gewaltfreie Kommunikation wird dabei getragen von einem uralten Wissen der Menschheit, das wir auch im Kern aller Religionen und in allen spirituellen Traditionen wiederfinden: Die Weisheit unseres mitfühlenden Wesens, das Wissen um unsere wechselseitige Verbundenheit und unser Eingebettetsein in ein größeres Ganzes sind das Fundament, auf dem die 4 Schritte der GfK ihre Wirkung entfalten.

Und so steht die GfK für mich für drei Dinge gleichzeitig:

- Für eine offene und achtsame innere Haltung, aus der heraus wir uns selbst und anderen frei von moralischen Bewertungen begegnen.
- Für einen Übungsweg, mit dem wir diese innere Haltung entwickeln und als unseren natürlichen Seins-Zustand wieder entdecken können.
- Und für eine neue Form des Selbstausdrucks, eine Sprache, mit der die Verständigung zwischen Menschen wieder mühelos gelingt.

Die Grundannahmen der gewaltfreien Kommunikation

Bevor wir uns auf den Weg der 4 Schritte machen, finde ich es nützlich, sich folgende zwei Grundannahmen der GfK bewusst zu machen:

1) In allen Menschen sind die gleichen Grundbedürfnisse lebendig. Einfach deshalb, weil wir lebendige, bewusste, fühlende Wesen sind.

  • Das sind Bedürfnisse unseres Körpers wie z.B. Nahrung, Luft und Wasser, Berührung, ein sicherer Schlafplatz, Bewegung oder Sexualität.
  • Als Individuen haben wir Bedürfnisse wie Selbstbestimmtheit, Lernen, Integrität, Entwicklung, Kreativität, Freiheit.
  • In der Verbindung mit anderen brauchen wir z.B. Freundschaft, Kooperation, Aufrichtigkeit, Nähe, Vertrauen. Wir wollen zur Bereicherung des Lebens beitragen, zusammen lachen und spielen, gemeinsam trauern.
  • Und wir haben spirituelle Bedürfnisse wie Frieden, Klarheit, Liebe oder Verbundensein mit der Natur.

Durch diese intelligenten und lebensdienlichen Bedürfnisse wirkt die Kraft des Lebens in uns. Marshall Rosenberg nannte die Lebenskraft gerne geliebte, göttliche Energie. Mit Hilfe der 4 Schritte verbinden wir uns wieder mit der Quelle des Lebens in uns und richten unser Denken, Sprechen und Handeln danach aus.

2) Mit allem, was wir sagen oder tun, verfolgen wir eine gute Absicht: Wir möchten uns selbst oder anderen eines der lebensdienlichen Bedürfnisse erfüllen.

Unsere Bedürfnisse sind der Antrieb für unser Sprechen und Handeln. Wenn wir mit unseren Bedürfnissen nicht bewusst verbunden sind, tun wir oft Dinge, die für die Entwicklung des Lebens nicht förderlich sind. Dennoch verfolgen wir mit unserem Verhalten eine gute Absicht:

Vielleicht rauchen wir, um uns das Bedürfnis nach Freiheit, Entspannung oder Zugehörigkeit zu erfüllen. Wir haben einen Job, den wir nicht leiden können, um unsere Existenz zu sichern. Vielleicht sprechen wir unsere Wahrheit nicht aus, damit wir Teil der Gemeinschaft bleiben können oder wir werfen unserem Partner Egoismus vor, anstatt zu sagen, dass wir gerade Unterstützung brauchen.

Wir können unsere eigenen Verhaltensweisen und die anderer Menschen also nachvollziehen, wenn wir uns die darunterliegenden Bedürfnisse bewusst machen: Jedes Verhalten hat eine gute Absicht, auch wenn das manchmal sehr schwer zu erkennen ist.

Der Weg der Gewaltfreien Kommunikation:

Mit der Grundannahme der guten Absicht in allem Sprechen und Handeln brauchen wir keine moralischen Urteile mehr über uns oder andere zu fällen. Denn die Frage, ob jemand etwas richtig oder falsch macht und ob der eine Schuld hat oder ein anderer, fördert gegenseitige Ablehnung, Misstrauen und Konflikt.

Mit der GfK gehen wir einen ganz anderen Weg: Wir lernen, unsere Handlungen und die der anderen bedürfnisorientiert zu bewerten. Was möchten wir uns mit unserem Tun erfüllen? Funktioniert es? Trägt es zur Bereicherung des Lebens bei oder nicht? Was können wir stattdessen tun? Auf diese Weise richten wir unser Denken, Sprechen und Handeln neu aus: Auf die ursprüngliche Lebenskraft und Lebensfreude in uns, die uns alle verbindet.

Wie das nun mit den 4 Schritten genau funktioniert, kannst du hier nachlesen: Weg und Ziel der gewaltfreien Kommunikation

Ulla Kruse
Artikel von November 2016

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